Es war der 11. Dezember 1998, als der Mars Climate Orbiter mit einer Delta II Rakete vom Kennedy Space Center abhob. $125 Millionen hatte die NASA investiert – dazu kamen weitere $80 Millionen für Start und Betrieb. Die Mission war Teil von NASAs ehrgeizigem Programm "Faster, Better, Cheaper" (Schneller, besser, günstiger): mehr Missionen zu niedrigeren Kosten, mit kleineren Teams und weniger Redundanz. Eine Philosophie, die nach außen hin effizient klingt – und von innen heraus brüchig ist.
Fast zehn Monate reiste die Sonde durch das Sonnensystem. 670 Millionen Kilometer ohne erkennbare Zwischenfälle. Die Missionsverantwortlichen beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena waren zuversichtlich. Am 23. September 1999 sollte der Orbiter in eine Marsumlaufbahn eintreten – der kritischste Moment jeder Planetenmission.
Was dann passierte, war kein Computerfehler. Kein Meteoriteneinschlag. Kein Hardwaredefekt. Es war ein Kommunikationsproblem zwischen zwei Teams, die nie gemeinsam am Tisch gesessen hatten:
Das JPL-Navigationsteam berechnete Kursabweichungen in Newton-Sekunden – dem internationalen Einheitensystem.
Lockheed Martin in Colorado programmierte die Navigationssoftware mit Pfund-Kraft-Sekunden – dem US-amerikanischen System.
Niemand hatte sichergestellt, dass beide Seiten das Gleiche meinen, wenn sie "Einheiten" sagen.
Die Folge: Die Sonde näherte sich Mars nicht auf die geplanten 140 bis 150 Kilometer, sondern auf nur 57 Kilometer. In dieser Höhe ist die Marsatmosphäre so dicht, dass die Reibungshitze ein Raumfahrzeug zerstört. Um 09:04 Uhr UTC verstummte das Signal. Kontakt nie wieder hergestellt.
Die Untersuchungskommission war deutlich in ihrer Sprache: "The root cause for the loss of the MCO spacecraft was the failure to use metric units." Mangelnde Kommunikation, überlastete Teams, fehlende Überprüfungsroutinen – das alles nannten sie ebenfalls. Was sie nicht nannten: dass das "Faster, Better, Cheaper"-Programm genau jene Redundanz und jene erfahrenen Teams eingespart hatte, die den Fehler hätten entdecken können.
Konsequenzen für Lockheed Martin: Ein vertraglich vereinbarter Bericht. Keine Sanktionen, keine Strafzahlungen. Der Auftragnehmer, dessen Software die Sonde zerstörte, verlor den Auftrag nicht einmal rückwirkend.
Der Steuerzahler hatte $205 Millionen bezahlt. Die Marsatmosphäre bekam ein unerwartetes Metallgeschenk. Und das US-amerikanische Einheitensystem – das einzige Land der Welt außer Myanmar und Liberia, das noch nicht vollständig auf Metrisch umgestellt hat – blieb, was es war.
Was aus der Geschichte geworden ist: NASA stellte danach striktere Koordinationsregeln zwischen Auftragnehmern ein. Das "Faster, Better, Cheaper"-Programm wurde still und leise begraben. Und auf NASA-Webseiten finden sich seitdem fast überall metrische Einheiten. Bei Lockheed Martin und Boeing: weiterhin imperial.